Schlüsselleistung
Technische Daten
Motor
- Hubraum
- 1832 cc
- Leistung
- 110.0 ch @ 5000 tr/min (80.9 kW)
- Drehmoment
- 176.5 Nm @ 4500 tr/min
- Kühlung
- liquide
- Verdichtungsverhältnis
- 9.8:1
- Bohrung × Hub
- 74 x 71 mm
- Ventile/Zylinder
- 2
- Nockenwellen
- 1 ACT
- Kraftstoffsystem
- Injection Ø 32 mm
Fahrwerk
- Rahmen
- Double poutre alu
- Getriebe
- boîte à 5 rapports
- Endantrieb
- Cardan
- Vorderradaufhängung
- fourche à parallélogramme, déb : 100 mm
- Hinterradaufhängung
- Mono-amortisseur, déb : 100 mm
Bremsen
- Vorderradbremse
- Freinage 2 disques Ø 330 mm, étrier 3 pistons
- Hinterradbremse
- Freinage 1 disque Ø 336 mm, étrier 3 pistons
- Vorderreifen
- 150/60-18
- Vorderreifendruck
- 2.50 bar
- Hinterreifen
- 180/55-17
- Hinterreifendruck
- 2.90 bar
Abmessungen
- Sitzhöhe
- 691.00 mm
- Tankinhalt
- 23.00 L
- Trockengewicht
- 360.00 kg
- Neupreis
- 30 375 €
Übersicht
Stellen Sie sich einen Honda-Designer vor, der an einem Vollmondabend beschließt, eine Gold Wing mit einem futuristischen Concept-Car zu kreuzen. Das Ergebnis ist die Honda NRX 1800 Rune Valkyrie, ein 360 kg schweres Monster (trocken), das sämtliche Konventionen des Custom-Segments sprengt. 2004 wagte der japanische Hersteller, was niemand erwartet hatte: eine Maschine, geformt wie ein rollendes Kunstwerk, in einer Auflage von nur 1 200 Exemplaren pro Jahr gefertigt und ausschließlich dem nordamerikanischen Markt vorbehalten. Eine Ingenieurslaune, die Wirklichkeit wurde – zum stolzen Preis von 30 375 Euro.

Unter dieser Science-Fiction-Karosserie schlägt der Boxermotor mit 1 832 cc, entliehen von der Gold Wing und neu abgestimmt, um dem radikaleren Temperament der Bestie gerecht zu werden. Die Zahlen sprechen für sich: 110 PS bei 5 000 U/min und vor allem 176,5 Nm Drehmoment bereits bei 4 500 Touren. Ein Geschoss ist sie nicht, doch mit einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h für eine Maschine dieser Kategorie schiebt der Sechszylinder mit ruhiger Autorität an. Der Kardanantrieb und das Fünfganggetriebe sorgen für eine unkomplizierte Kraftübertragung. Klanglich erzeugt dieser Boxer-Sechszylinder ein tiefes Grollen, das an große amerikanische Motoren erinnert, bevor er mit einer fast turbinenartigen Wut in die Drehzahlen steigt. Man schließt die Augen und wähnt sich zwischen einem Saugmotor-V8 und einer Turbine.
Das Fahrwerk, ebenfalls von der Gold Wing abgeleitet, basiert auf einem Aluminium-Doppelrohrrahmen, der für eine Maschine dieses Gewichts eine überraschende Steifigkeit bietet. Die Lenkung erweist sich als präzise, die Wendigkeit bei engen Manövern als ordentlich, und die Geradeausstabilität ist vorbildlich. Das eigentliche technische Highlight ist jedoch das Fahrwerk im engeren Sinne. Vorne arbeitet eine Parallelogramm-Gabel – eine Technologie aus den 1930er-Jahren, die hier neu interpretiert wurde, um Straßenunebenheiten mit 100 mm Federweg zu filtern. Hinten sorgt ein Monodämpfer, inspiriert vom Schema der RC211V aus der MotoGP, ebenfalls auf 100 mm Federweg begrenzt, für eine Sitzhöhe von lediglich 691 mm. Die Bremsanlage mit zwei 330-mm-Scheiben vorne und einer 336-mm-Scheibe hinten, jeweils mit Dreikolben-Sätteln, zeigt sich der zu verzögernden Masse gewachsen. Allerdings ist bei der Schräglage Vorsicht geboten: Die massiven Auspuffanlagen setzen auf dem Asphalt auf, lange bevor der Fahrer die Haftung der Reifen in den Dimensionen 150/60-18 und 180/55-17 ausgereizt hat.
Die Verarbeitungsqualität grenzt an Uhrmacherkunst. Jedes Detail, von der Lackierung bis zu den sichtbaren Schweißnähten des Rahmens, zeugt von manischer Sorgfalt. Der 23-Liter-Tank, nahtlos in die Linienführung integriert wie ein lebenswichtiges Organ, bietet eine vernünftige Reichweite für eine Maschine, die eher zur demonstrativen Ausfahrt als zur Autobahnhatz einlädt. Die H.I.S.S.-Wegfahrsperre, die sich beim Einstecken des Schlüssels automatisch deaktiviert, verleiht einem ansonsten ganz auf Spektakel ausgerichteten Gefährt einen Hauch von Modernität.
An wen richtet sich die Honda NRX 1800 Rune Valkyrie? Gewiss nicht an den Sonntagsfahrer und auch nicht an den Anfänger, den ihre 360 kg an der ersten roten Ampel entmutigen würden. Sie ist eine Sammlermaschine, ein Objekt der Leidenschaft, bestimmt für Liebhaber extremer Customs, die etwas Einzigartiges fahren wollen. Gegenüber einer Harley V-Rod oder einer Triumph Rocket III derselben Ära spielt die Rune in einer eigenen Kategorie: weniger brutal als die Triumph mit ihrem 2,3-Liter-Dreizylinder, stilistisch gewagter als die V-Rod. Ihr größter Nachteil bleibt das Gewicht, das sie bei niedrigen Geschwindigkeiten mühsam zu rangieren macht, sowie ihr Preis, der sie für den durchschnittlichen Motorradfahrer unerreichbar macht. Doch für jene, die sie sich leisten können, ist sie ein Stück Honda-Geschichte – der Beweis, dass selbst der vernünftigste Hersteller manchmal auf großartige Weise den Verstand verlieren kann.
Praktische Infos
- La moto est accessible aux permis : A
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